Das Recht von Mädchen auf Bildung und Gesundheit in Krisen- und Konfliktgebieten stärken! Rede im Bundestag vom 9. Mai

Meine zu Protokoll gegebene Rede vom 09. Mai 2019:

Das Recht von Mädchen auf Bildung und Gesundheit in Krisen- und Konfliktgebieten stärken!

„One child, one teacher, one pen and one book … can change the world.” Das haben wir von der pakistanischen Friedensnobelpreisträgerin Malala gelernt.

Sehr geehrter Präsident, liebe Damen und Herren,

Bildung gehört nicht nur zu Menschlichkeit und Menschenrecht. Sie stärkt auch Volkswirtschaften und bekämpft Fluchtursachen.

Der Antrag der Grünen, der Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte weltweit in Krisen- und Konfliktgebieten verwirklichen will, entspricht dem gesunden Menschenverstand. Insofern bin ich sicher, dass auch die Damen und Herren der sonst so zögerlichen Großen Koalition sich diesem Antrag anschließen können.

Unabhängig davon habe ich noch zwei Fragen. Erstens: Sind wir sicher, dass die lokalen Schulpläne Mädchen fördern? Oder finden sich dort Inhalte, die Mädchen explizit benachteiligen? Zum Beispiel, wenn diese Pläne allein auf die Rolle als Mutter vorbereiten? Oder wenn sie suggerieren, dass eine Frau weniger wert ist als ein Mann?

Ich formuliere es vorsichtig: Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sollte sich nicht gemein machen mit einem Curriculum, das unserem Bemühen um ein Empowerment der Mädchen entgegenläuft. Stattdessen brauchen wir: Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik und Englisch. Nach dem Einmaleins können Fragen geklärt werden, wie: Was ist Verhütung, was ist eine Impfung? Wie baut man eine Brücke, wie hält man Trinkwasser sauber?

Dieses Wissen gibt es an den Universitäten von Jakarta, Addis Abeba und Nairobi. Wie können wir also dieses Wissen aus dem Kopf des Professors, der Professorin kindgerecht zugänglich machen?

Das bringt mich zu meiner zweiten Frage: Was bedeutet Digitalisierung für das Thema, das uns heute hier beschäftigt?

Letztes Jahr habe ich Flüchtlingslager in Bangladesch und Jordanien besucht. Und ich habe gesehen, dass selbst unter menschenunwürdigen Umständen sich Flüchtlinge alte Handys und zumindest ab und zu Zugang zum Internet organisieren. Was „online“ ist, müssen wir ihnen ganz bestimmt nicht erklären.

Dieses digitale Wissen und diese Internet-Affinität von Kindern und Jugendlichen muss der Ausgangspunkt unserer Überlegungen sein.

Man wirft uns Linken gern vor, wir würden denken, wir hätten auf alles sofort die richtige Antwort. Aber für mich ist wichtiger, richtig zu fragen: Wie können wir Lerninhalte zur Verfügung stellen – sogar unabhängig davon, ob das Mädchen einen Schulplatz hat oder nicht?

Wie wäre es denn, wenn wir mit einer afrikanischen Universität ein Programm online stellen, mit dem Grundschulkinder in 20 afrikanischen Sprachen den Dreisatz lernen? Mit einer freundlichen Online-Tutorin und der Möglichkeit, mit Online-Prüfungen Credits für den Schulabschluss in der Cloud zu sammeln. Diese Cloud kann kein Panzer und kein Warlord zerstören!

Wie können wir uns dafür einsetzen, dass diese Credits international anerkannt werden? Zum Beispiel, wenn das Mädchen in einem anderen Land eine weiterführende Schule oder Universität besuchen will – oder muss.

Das mag für viele wie Zukunftsmusik klingen. Aber die Zukunft kann verdammt schnell Gegenwart werden. Schon heute wissen Mädchen auf der ganzen Welt, wie Beyoncé tanzt. Bald könnten diese Mädchen ebenso leichten Zugang zu mathematischer, technischer und jeder anderen Form von Bildung erhalten!

Ja, Malala: Ein Mädchen und ein Handy können die Welt verändern.  

Evrim Sommer