Wladimir Gall hat die Geschichte Spandaus mitgeprägt

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Am Vorabend des 100. Geburtstages Wladimir Galls und aus Anlass der Namensgebung des Weges um die Zitadelle nach ihm hatten die Linksfraktion in Spandau, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Bundestagsabgeordnete Helin Evrim Sommer zu einem Filmabend eingeladen. Es war ein sehr bewegender Abend und mit einer solch großen Resonanz hatten die Einladenden nicht gerechnet. Mehr als 150 Menschen waren gekommen. Die Hälfte musste leider wieder den Heimweg antreten, da der Kinosaal nur 75 Plätze hatte. Sie alle waren gekommen, um den Film „Ich war neunzehn“ zu sehen und anschließend dem Gespräch mit Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase und Wladimir Kotenjew, ehemaliger Botschafter der Russischen Föderation, zuzuhören. Der Spielfilm trägt starke autobiografische Züge. Regisseur Konrad Wolf hatte seine Kriegserlebnisse in einem Tagebuch festgehalten. Er setzte im Film aber auch seinem Freund und vorgesetzten Offizier Wladimir Gall ein Denkmal. Konrad Wolf zeigt im Film eindrucksvoll den Mut des Offiziers der Roten Armee Wladimir Gall bei den erfolgreichen Verhandlungen um die Kapitulation der Festung Spandau.

Helin Evrim Sommer begrüßte die zahlreichen Gäste, unter ihnen die Enkelin und den Urenkel Wladimir Galls, mit den Worten: „Ich kann mir kaum vorstellen, wieviel Mut der Soldat Wladimir Gall gehabt haben muss. Die Angst war in dem Moment kleiner als der Wunsch, menschlich zu handeln. Für mich ist Wladimir Gall einer der Helden des zweiten Weltkriegs, wenn man in dem Zusammenhang überhaupt von Helden sprechen darf. Und nach diesem Helden, wird morgen endlich in Spandau ein Weg benannt.“

Danach ergriff Anastasia Dobrowolskaja, die Enkelin Wladimir Galls, das Wort. Sie bedankte sich für die Einladung und die Möglichkeit, an diesem historischen Ereignis - der Namensgebung des Weges um die Zitadelle nach Wladimir Gall - teilnehmen zu können. Anastasia beschrieb ihren Großvater als herzensguten, geduldigen und mutigen Menschen, der stets an die gute Sache geglaubt hat. Sie schilderte eine kleine Episode, die das verdeutlichte. Sie erzählte, dass ihr Großvater immer Angst vor Hunden hatte. Als sie aber eines Tages ein Hund angegriffen hatte und sie dadurch ihre Handschuhe verlor, war es ihr Großvater, der sie ihr wieder zurückbrachte. Anastasia fragte daraufhin ihren Großvater: „Warum bist du ins Haus gegangen, du hast doch Angst vor Hunden?“ Er aber meinte nur: „Du wolltest doch deine Handschuhe wiederhaben. Da musste ich es einfach tun.“

Wolodja, wie er liebevoll von seinen Freundinnen und Freunden genannt wurde, hat sich Zeit seines Lebens für Frieden und Völkerschaft eingesetzt. Dass er sich damit auch Gefahren aussetzen musste, war für ihn zweitrangig. In dem sich anschließenden Gespräch, das von Paul Werner Wagner, Vorsitzender der Friedrich-Wolf-Gesellschaft moderiert wurde, wurde diese historische Leistung Wladimir Galls immer wieder hervorgehoben. Es wurde aber auch betont, dass sein Vermächtnis, für Völkerverständigung und Frieden einzutreten, in Ehren gehalten werden muss.

Es war ein langer Weg, der beschritten werden musste, um Wladimir Gall, im öffentlichen Raum in Spandau ein Denkmal zu setzen. Am 20. Januar 2019 war es dann soweit. Im Anschluss an eine Feierstunde im Fürstensaal der Zitadelle wurde der Weg um die Zitadelle nach Wladimir Gall benannt. Die feierliche Enthüllung eines der Schilder nahmen Anastasia, die Enkelin, und Nikita, der Urenkel Wladimir Galls, vor.